Ich bin asymptomatisch glücklich. Das Zitat ist einerseits lustig und eine Anspielung auf Corona beziehungsweise asymptomatische Erkrankungen, die es bisher nicht gab, und andererseits ist es tiefe Wahrheit. Die meisten Menschen streben nach Glück und sie wissen gar nicht, was sie sich da wünschen. Sie denken nur, sie wüssten es. Und sie denken auch nur, dass sie glücklich sein müssten und sie haben auch nur eine Idee, wie sich das anfühlt und sie haben auch nur eine Idee davon, was Glücklich Sein überhaupt ist. Sie haben sich vielleicht mal kurzzeitig gut gefühlt und jetzt wollen sie dieses Gefühl für immer haben, das heißt, sie projizieren es in die Ewigkeit, die nicht existiert. Wir könnten alle von Corona lernen und einfach damit beginnen, asymptomatisch glücklich zu sein. Vielleicht wäre der richtige Ausdruck dafür Zufriedenheit, aber selbst das ist eigentlich schon eine Irreführung, denn das bedeutet immer noch, dass dir etwas fehlt. Wenn du erkennst, dass dir nichts fehlt, tritt nicht Zufriedenheit oder Glück ein, es ist etwas anderes, es ist viel normaler. Eine Normalität, die wir gar nicht kennen, weil wir die ganze Zeit wünschen und weil wir uns ständig von hier wegwünschen und wir hätten so gerne Symptome von Glück. Wenn wir dagegen krank sind oder es reicht ja schon, wenn wir uns nicht so gut fühlen, dann wollen wir die Symptome möglichst schnell verdrängen. Kaum jemand möchte mehrere Jahre krank sein. Niemand möchte über Jahre kein Glück empfinden und das alles, ohne dass wir es jemals untersucht haben. Wir haben nie genau nachgeschaut, weil die Wünsche so schnell da waren, dass wir sie gar nicht hinterfragen konnten. Wir konnten gar nicht ergründen, was das eigentlich ist, was wir uns da wünschen, weil wir uns durch die Wünsche so schnell und so stark abgelenkt haben. Hauptsache nicht schlecht fühlen ist unsere Devise, nach der sind wir programmiert. Aber was, wenn du bereit wärst, dich schlecht zu fühlen? Was würde oder was könnte dadurch in dein Leben kommen, wenn du das erste Mal nicht mehr verdrängst, was jetzt hier ist? Das klingt natürlich nicht sehr anziehend für den Verstand, das klingt nicht sehr sexy, nicht sehr motivierend, aber es ist etwas, was wir noch nie versucht haben. Und wir könnten es das erste Mal wirklich tun. Alles so sein lassen, wie es ist. Darin liegt deine größte Freiheit. Und es könnte sein, dass du dadurch asymptomatisch glücklich wirst. Aber vielleicht hast du sogar Symptome. Es käme auf einen Versuch drauf an.