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    5.7.2021AQ 1320
    »Ja, ja, passt.«
    0:008:49
    Wir versuchen uns über Trennung zu verbinden. Was sich wie ein Paradox anhört, ist der tägliche normale Wahnsinn. Wenn du dieses Zitat intellektuell betrachtest, kannst du entweder in den Widerstand damit gehen oder es auch absegnen und damit abhaken und sagen: »Ja, ja, passt.«, bis du es erlebst, dass es tatsächlich so ist. Entweder weil du es machst oder weil es jemand bei dir versucht. Die meisten Menschen fühlen sich gar nicht wohl, wenn man ihnen zustimmt, denn nach einer Zustimmung und noch einer und noch einer gibt es gar nichts mehr, worüber man sich aufregen kann und was wir alle gelernt haben, ist, wie man sich aufregt. Und in dieser Aufregung empfinden wir etwas Verbindendes. Wir fühlen uns aber gar nicht so verbunden, wenn uns jemand zustimmt, denn dann können wir uns ja nicht mehr aufregen. Wir empfinden etwas Verbindendes, wenn sich der andere auch aufregt, obwohl uns selbst das manchmal oder sogar öfter nicht wirklich befriedigt. Tatsächlich ist da überhaupt nichts Befriedigendes drin, es gibt bei diesem Spiel keine Befriedigung, denn die Trennung muss ja aufrechterhalten werden, damit ich weiterhin versuchen kann, mich zu verbinden, was ich natürlich erfolglos versuche, denn genau das kenne ich aus meiner Kindheit. Ich habe versucht, mich zu verbinden und es wurde abgelehnt und ich habe Trennung erfahren. Das heißt, ich habe meinen Verbindungswunsch beziehungsweise ist eigentlich kein Wunsch, ist eher … die Kontaktaufnahme ist ganz natürlich, ist überhaupt nichts, was man sich wünschen muss. Das macht jeder ganz automatisch, jedes Kind macht das, jedes Kind nimmt Kontakt auf und dann dreht es sich auch wieder weg und interessiert sich für was anderes und wir sind dann beleidigt und versuchen den Kontakt zu verlängern. Zwanghaft. Wir lernen also, dass Verbindung oder der Versuch von Verbindung, Kontaktaufnahme mit Trennung verbunden ist und genau deshalb kennen wir keinen anderen Weg mehr, als über die Trennung in Verbindung zu gehen. Die Trennung hat natürlich viele Gesichter. Das kann sein, dass wir über andere herziehen, dass wir die Unterschiede zu ihnen betonen, dass wir lästern, dass wir sie bekehren wollen, dass wir ihnen erklären wollen, was richtig und was falsch ist, dass wir sie überzeugen wollen, dass wir es richtig oder besser wissen. Und wir realisieren dabei gar nicht, dass diese Trennung erst in uns stattfinden muss und diese Trennung ist nur eine Körperempfindung und weil wir die nicht fühlen wollen, versuchen wir, uns über diese empfundene Trennung mit anderen zu verbinden. Wir versuchen auf die Art und Weise Kontakt aufzunehmen, indem wir etwas Trennendes in den Raum stellen. Entweder mit beziehungsweise in Bezug auf den, der gerade im Raum ist oder natürlich auch in Bezug auf andere, die gerade nicht da sind. Das hat natürlich unterschiedliche Ausprägungen und ist nicht bei allen Menschen gleich, aber wenn du das mal beobachtest, wirst du festellen, dass es Menschen gibt, die kein anderes Thema als Trennung haben und man könnte denken, die wollen ja keinen Kontakt beziehungsweise das ist ja, das macht ja keinen Spaß mit denen zu sein und die mögen dich gar nicht. Die Wahrheit ist, sie versuchen verzweifelt Kontakt aufzunehmen und sich zu verbinden und sie wissen nicht, wie es geht.