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    20.6.2021AQ 1305
    »Jedes Streben ist ein Wegstreben von dir.«
    0:007:37
    Jedes Streben ist ein Wegstreben von dir. Durch Streben verpasst du den Moment, wie er für dich wirklich ist. Und im Moment des Strebens und im Moment der Wünsche und der Begierden und der Hoffnungen und der Ziele fällt uns das nicht auf, denn das ist der Zweck von Wünschen und Zielen und das ist der Zweck von unserem Streben. Wir wollen weg von hier. Wir wollen diesen Moment nicht so erleben, wie er wirklich für uns ist. Wir wollen alles, alles Mögliche und alles Unmögliche, nur nicht hier sein, weil wir das Gefühl, von dem wir wegstreben, irgendwann als bedrohlich eingestuft haben. Und seitdem wollen wir es nicht mehr fühlen und verdrängen es mit allen verfügbaren Mitteln und eines der besten und auch scheinbar unschuldigsten Mittel ist das Streben, sind die Wünsche, sind Ziele. Die sind allgemein anerkannt und sogar noch mehr, die werden als wertvoll angesehen. Es mag zwar sein, dass du mit deinen Zielen außerhalb von dir auf Widerstand stößt, weil es Menschen gibt, die diese Ziele nicht haben, aber es gibt kaum einen Menschen, den du nicht als depressiv einschätzen würdest, der dir sagt: »Ja, du brauchst keine Ziele. Wozu hast du denn Ziele?« Du hast Ziele, um diesen Moment nicht erleben zu müssen, um keine ehrliche emotionale Bestandsaufnahme zu machen, machen zu müssen, denn dann müsstest du ehrlicherweise sagen: »Mir geht es schlecht und ich fühle das. Ich fühle Druck im Bauch, in der Brust, im Hals. Ich fühle das, mir geht es nicht gut.« Und du könntest dich diesem Gefühl zuwenden, statt dich durch Streben abzuwenden. Und vielleicht denkst du dir jetzt: »Ja, aber Stefan, was ist denn schlecht an Zielen und an Wünschen?« Gar nichts! Wie an allem nichts schlecht ist. Es ist nur eine Ablenkung, so wie Kuchen essen, Fernseh schauen, Handy. Und ich möchte dir damit auch kein schlechtes Gewissen machen, das kannst du auch bewusst einsetzen. Das ist vollkommen in Ordnung. Du darfst, wenn du dich emotional schlecht fühlst, wenn du Körperempfindungen hast, auf die du keine Lust hast, darfst du Kuchen essen und das dämpft die Gefühle ein bisschen und das ist vollkommen in Ordnung. Es geht nur darum, ab und zu hinzuschauen, indem du fühlst, indem du in diesem konstanten Hamsterrad aus Gefühlen und Zielen und Wünschen und Streben, was dich von deiner Körperempfindung wegbringt, nachzuschauen: »Was ist jetzt wirklich hier? Was wäre, wenn ich nicht streben würde? Was wäre, wenn ich jetzt keinen Kuchen essen würde? Was würde ich fühlen, wenn ich jetzt nicht an den Computer gehe, wenn ich das Handy auslasse? Welche Körperempfindungen würden in mir auftauchen?« Und dann fühlst du die. Und das bringt dich zurück in diesen Moment, das bringt dich zurück zu dir. Und zurück bei dir merkst du, dass Wünsche, Ziele und Streben überflüssig sind … weil bereits alles hier ist. Und das heißt nicht, dass irgendetwas dagegen spricht, etwas zu tun. Das wirst du eh, du wirst eh etwas tun, kannst du gar nicht vermeiden, denn du kannst nicht vierundzwanzig Stunden sieben Tage die Woche dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr liegen bleiben. Und selbst wenn du das schaffst, wirst du währenddessen etwas machen. Das macht dein Körper nämlich automatisch und du wirst dich auch bewegen. Du kannst nicht auf einer Stelle liegen bleiben. Das ist nur das, was dir der Verstand erzählt, dass du dann hochgradig depressiv wirst und alles keinen Sinn macht und alles ganz furchtbar wird, wenn du deine Ziele und Wünsche aufgibst, weil du merkst, dass du sie nicht mehr brauchst. Wenn du merkst, dass du diese Ziele und Wünsche nicht mehr brauchst, ist es kein Aufgeben deiner Ziele und Wünsche, sondern sie fallen einfach weg. Und es gibt in deinem Leben kaum etwas Entspannenderes, das dir passieren kann als wegfallende Wünsche und Ziele und die Aufgabe deines Strebens.