Ein schlechtes Gewissen ist niemals die Wahrheit. Das heutige Zitat ist ein bisschen trickreich, weil wir unter Wahrheit etwas anderes verstehen als gemeint ist, denn es geht nicht darum, ob jemand die Wahrheit sagt oder ob etwas wahr ist, sondern es geht darum, ob es für dich wahr ist. Und ein schlechtes Gewissen entsteht in dir und dieses schlechte Gewissen ist unabhängig von einem anderen, also es ist sogar unabhängig davon, ob dir jemand ein schlechtes Gewissen machen will oder nicht. Es kann sein, jemand will dir ein schlechtes Gewissen machen, du bekommst aber keins. Und es kann sein, jemand will dir gar kein schlechtes Gewissen machen und du bekommst aber eins. Es geht also um das, was in dir stattfindet. Und wenn du merkst, dass du ein schlechtes Gewissen bekommst oder hast, dann geht es darum zu erkennen, dass du einen falschen Gedanken gedacht haben musst oder eine falsche Annahme in dir existiert. Jedes negative Gefühl, jedes Gefühl, das du nicht magst, ist kein Hinweis darauf, das Gefühl zu verdrängen, sondern ein Hinweis darauf, dass du gerade einen falschen Gedanken gedacht hast oder eine falsche Orientierung in dir hast, die du aufgeben kannst oder die du ignorieren kannst. Also wenn dir zum Beispiel jemand sagt, du solltest irgendetwas anders machen oder irgendetwas richtiger machen und du bekommst ein schlechtes Gewissen, dann hattest du den falschen Gedanken, dass er recht haben könnte und dass du wirklich etwas anders machen solltest. Da wir es aber nicht gewohnt sind, unsere Gedanken und Ideen auf diese Art von Wahrheit zu untersuchen, gehen wir davon aus, dass das Gefühl irgendwie anders weggemacht werden muss. Wir können uns nicht vorstellen, dass dieses Gefühl hier ist, damit wir uns daran orientieren können. Das bedeutet, ein schlechtes Gefühl ist kein Gefühl, das bekämpft werden muss oder das irgendwie vermieden werden muss, sondern das ist ein Gefühl, das dir die Richtung zeigt. Wenn du also ein schlechtes Gewissen bekommst aufgrund einer Aussage, dann zeigt dir das, dass du einen falschen Gedanken hast, eine falsche Idee — die du entweder vom anderen übernommen hast, oder die du selbst in dir hast. Also jemand fragt dich zum Beispiel: »Hast du deiner Mutter zum Muttertag gratuliert?« Und du denkst: »Nein, oh Gott, ich habe es vergessen. Wie schlimm! Scheiße, scheiße, scheiße, ich habe ein schlechtes Gewissen. Oh Gott, was mache ich jetzt?« Und wenn sich das schlecht anfühlt, dann ist es ein falscher Gedanke, dann ist es die falsche Richtung. Das trauen sich aber die meisten Menschen nicht, dem dann nicht zu folgen und genau das nenne ich Programmierung und zwar eben genau Programmierung aufgrund eines schlechten Gewissens. Irgendjemand hat dir mal gesagt: »Sowas darf man nicht vergessen.« oder deine Mutter war beleidigt. Und so entstehen die Programme in uns. Wir übernehmen sie, halten sie irgendwie für relevant und wichtig und folgen ihnen dann unreflektiert und ohne dabei auf unsere Gefühle zu achten. Das ist der wesentliche Teil einer Programmierung. Wir schauen nicht nach: »Wie fühle ich mich? Fühlt sich das gut an? Fühlt sich der Gedanke, den ich gerade gedacht habe, auch wenn er nur den Bruchteil einer Sekunde einnimmt, fühlt sich dieser Gedanke gut an? Oder fühlt er sich schlecht an? Und wenn er sich schlecht anfühlt, dann ist es kein wahrer Gedanke für mich.« Das bedeutet nicht, dass du nicht zum Muttertag gratulieren darfst, falls du es vergessen hast, aber das bedeutet, dass du erst den Gedanken und das schlechte Gewissen untersuchen musst, um herauszufinden, ob du auf dem richtigen Weg bist. Und für die meisten Menschen ist diese Programmierung so intensiv, dass sie bei der geringsten Abweichung davon, große Schmerzen fühlen oder fühlen würden, die sie unter allen Umständen vermeiden wollen. Und deshalb läuft ein komplettes, automatisiertes Programm an und du rennst wie eine Verrückte durch die Wohnung auf der Suche nach Blumen und kriegst gar nicht mit, dass das jetzt alles ein Automatismus ist, der mit einem einzigen Gedanken, einem schlechten Gewissen angeworfen wurde und dann rennst du auf Autopilot und diesen Mechanismus haben wir in enorm vielen Bereichen unseres Lebens … immer dann eben, wenn es um Moral, schlechtes Gewissen und all die Dinge, die man angeblich macht oder nicht machen darf, wenn es um die geht. Und wir denken, wir sind so. Tatsächlich ist das aber nicht, wer wir wirklich sind, sondern das ist unsere Programmierung beziehungsweise ein Teil davon. Und die große Kunst und Herausforderung liegt darin, diese Programme aufzudecken — für sich selbst — und ihnen nicht zu folgen. Und da drehen die meisten durch. Das schafft fast niemand, weil diese Programme so tief sitzen. Aber das ist der Weg. Das ist der Weg der Deprogrammierung. Das bedeutet nicht, dass du alles komplett ablegst, sondern es bedeutet, dass du erstmal merkst, aufgrund welcher Mechanismen in dir du überhaupt reagierst. Und das ist ein Feintuning für dein Navigationssystem, für deine Intuition, um viel genauer zu merken: »Was ist wahr für mich?« und »Was ist nicht wahr für mich?«