Der Staat ist ein Spiegel der Familie. Die Idee, dass der Staat notwendig sei, ist weit verbreitet, vor allem dass er auf die Art und Weise notwendig sei, wie er aktuell existiert und da stellt sich die Frage: »Wie ist der Staat denn? Wie existiert er? Was macht ihn aus?« Und bevor du da in die Details gehst oder dich verrennst in Beschwerden, Anschuldigungen und was man sonst noch Schlimmes sagen kann, kannst du etwas ganz Einfaches machen. Du kannst nachschauen, wie es für dich in deiner Familie war. Der Staat hat diese Familie nur ersetzt. Wir können diesen Staat, wie er sich uns darstellt und wie wir ihn nicht mögen, nicht ersetzen und auch nicht abschaffen und auch nicht verbessern, noch nicht einmal verbessern, weil wir die Familie in uns nicht geheilt haben. Der Staat ist nur der verlängerte Arm, die Wiedergeburt unserer Familie außerhalb von unserer Familie. Wir denken: »Wir sind obrigkeitshörig einem Staat gegenüber.« und das ist nicht der Fall. Wir haben Angst vor unseren Eltern. Und diese Angst übertragen wir kollektiv, natürlich jeder einzeln für sich, aber dann halt insgesamt auf dieses System. Und selbst Menschen, die behaupten, sie finden den Staat gut, würden anders wählen, wenn sie wirklich frei wären, wenn sie frei wären von Angst und wenn sie es komplett neu aufbauen könnten. Das können sie aber nicht, kann keiner, weil wir fangen nicht als unbeschriebenes Blatt an etwas aufzubauen, sondern wir fangen mit all unseren Programmen, mit all unseren Ängsten, mit all unseren Widerständen und mit der gesamten Programmierung unserer Familie an, etwas zu planen und etwas aufzubauen. Wenn wir uns und damit unsere Familien heilen, wird ein Staat überflüssig. Das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt. Das verstehen viele falsch. Anarchie bedeutet richtig übersetzt nicht »Frei von Regeln« oder »Chaos«, es bedeutet »Frei von Herrschern«, »Ohne Herrscher«. Wir denken: »Regeln funktionieren nur mit einem Herrscher.«, denn so haben wir es gelernt. Und das haben wir nicht vom Staat gelernt, das haben wir von unseren Eltern so gelernt. Wir durften nämlich nicht warten beziehungsweise es wurde uns nicht die Zeit gelassen, selbst herauszufinden, nach welchen Regeln, nach welchen ethischen und moralischen Vorstellungen wir leben möchten, sondern unsere Eltern haben uns ihre eigenen moralischen und ethischen Vorstellungen oktroyiert, aufgezwungen und wir konnten nicht anders, als das anzunehmen beziehungsweise uns damit abzufinden — auf die eine oder andere Art und Weise. Und das sitzt so tief in uns, dass wir uns das gar nicht vorstellen können, dass es Regeln ohne Herrscher gibt. Regeln ohne Herrscher gibt es aber natürlich, logischerweise wären das aber nicht mehr die Regeln der Herrscher. Es wären also keine Regeln, die da sind, bevor du sie für dich selbst entdeckt hast und da wir aber mit Herrschern aufgewachsen sind und mit deren Regeln, denken wir, das geht gar nicht und das existiert gar nicht, dass wir selbst Regeln erfinden oder herausfinden, nach welchen Regeln wir leben wollen oder nach welchen Regeln wir vielleicht sogar funktionieren oder wann etwas bei uns funktioniert und wie es funktioniert und was wir machen müssen, wenn wir ein Ergebnis anstreben. Das müsste natürlich jeder erst einmal für sich selbst herausfinden. Und diese Regeln oder diese Entdeckungen, die wir da machen von Kindesbeinen an, würden sich natürlich im Verlauf der Zeit verändern, verfeinern, sie werden einerseits individuell und wir würden aber vielleicht auch Menschen finden, die haben ähnliche Erfahrungen und wir würden auch Menschen finden, die haben vollkommen andere Erfahrungen. Die machen es für sich anders und in einer freien Welt ist das überhaupt kein Problem. Denn diese Gesetzmäßigkeiten, wenn man das so nennen will, sind individuell und schaden niemanden. Das geht gar nicht, weil ich untersuche ja mich, ich schaue ja mich an und beobachte und ich muss sehr genau beobachten: »Wie funktioniert das bei mir? Wie muss ich das machen, damit ich zufrieden bin, glücklich bin? Wie möchte ich sein? Wie soll sich das für mich anfühlen?« und so weiter. Das wär ein durchaus längerer Prozess. Ich vermute, der würde durch unsere gesamte Kindheit gehen und darüber hinaus. Wir würden uns auch danach noch verändern und das wird sich immer wieder anpassen. Das wäre also … es würde also schon Regeln geben, die werden aber nicht von außen oktroyiert, sondern die werden selbst gewählt und damit enorm effektiv. Aktuell sind die Regeln nur in einem Bereich extrem effektiv, nämlich in den Bereichen dich zu unterdrücken. Das macht natürlich nicht die Regel selbst, sondern das machst du, weil du diese Regel übernommen hast, weil sie in dir existiert und weil du aufgrund den früheren Autoritäten und der autoritären Erziehung erlebt hast, dass es so sein muss und du bist überzeugt davon, dass es richtig ist. Deshalb machen es die meisten Menschen ja auch bei ihren Kindern zumindest ähnlich. Und diese Ähnlichkeit in der Erziehung überträgt sich von Generation zu Generation und setzt sich über die Generationen fort. Wenn wir also den Staat verändern wollen, weil er uns nicht passt, wenn wir am Start Schwächen erkennen, Fehler erkennen, wenn im Staat etwas schief läuft, dann dürfen wir nicht den Fehler machen, auf den Staat zu schauen. Wir müssen auf unsere Familien schauen. Jeder einzelne für sich selbst. Der Staat wird sich nur verändern, wenn sich die Familien ändern und das bedeutet, wenn sich Mutter und Vater verändern. Wenn Mutter und Vater bereit sind, ihre Traumata anzuschauen und zu heilen. Die Meisten beginnen damit nicht, weil sie denken, der Staat sei ein festes Gebilde, dem man nicht auskommt, und sie übersehen vollkommen die Möglichkeit, dass sich der Staat für einzelne verändern kann und auch verändert, wenn sie sich verändern. Alle reden vom »Gesetz der Anziehung«, aber wenn es drauf ankommt, möchte es niemand tun. Der Staat verändert sich mit dir. Es bringt nichts, darauf zu warten, bis sich Parteien verändern oder neue Parteien gewählt werden oder das System komplett verändert wird — von unten, von oben, von der Seite, ganz egal von wo. Die einzige Erkenntnis, die alles verändert ist, wenn du erkennst, dass es im Rahmen deiner Möglichkeiten liegt, dass du diese Macht hast. Ich benutze dieses Wort nicht gerne, denn es ist viel mehr als Macht und viel positiver als der Begriff bei vielen belegt ist. Es ist die Fähigkeit, alles zu verändern, ohne dass du auf irgendjemand warten musst, irgendjemand mitnehmen musst und auch nicht irgendjemand unterdrücken musst. Du musst weder andere fördern, noch sie unterdrücken. Es genügt, wenn du damit beginnst. Dieses Zitat kennt auch jeder: »Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.« und nur die wenigsten schaffen es, dieses Zitat zu leben, weil sie denken: »Ich alleine — das bringt ja nichts, man muss ja das System ändern.« Und wir verstehen nicht, dass das System in uns ist und wir damit dieses System in uns aufrechterhalten. Wir haben wirklich alles, was wir in unserer Kindheit erlebt haben, nach außen projiziert. Deshalb ist unsere Welt so, wie sie jetzt gerade für uns ist. Und das ist die gute Nachricht: Es liegt wirklich nur in dir.